Akute und chronische Schmerzen des Kniegelenks – Ursachen, Diagnostik und moderne Therapie

Schmerzen des Kniegelenks können plötzlich (akut) oder über einen längeren Zeitraum hinweg (chronisch) auftreten. Häufig sind sie die Folge einer unfallbedingten Verletzung oder Ausdruck einer degenerativen Veränderung des Gelenkes im Sinne einer beginnenden Arthrose (Gonarthrose). Besonders bei jungen und sportlich aktiven Patienten können verschiedene Strukturen des Kniegelenks betroffen sein. Dazu zählen Verletzungen der Kreuzbänder, der Seitenbänder, der Menisken, der Gelenkschleimhaut (Plica) oder des Gelenkknorpels.

Die Knorpelschicht des Menschen besitzt keine direkte Schmerzrückmeldung. Deshalb wird ein Knorpelschaden oftmals erst spät bemerkt, wenn es bereits zu indirekten Beschwerden wie Gelenkergüssen oder entzündlichen Veränderungen gekommen ist. Eine Schwellung des Kniegelenks reizt die Gelenkkapsel und wird häufig als dumpfer Druckschmerz im Gelenkinneren wahrgenommen. Meniskusverletzungen äußern sich dagegen meist durch stechende Schmerzen unter Belastung. Bandverletzungen führen häufig zu einem Instabilitätsgefühl („Giving-way-Phänomen“) und werden oft von Schmerzen begleitet.

Auch Veränderungen der Kniescheibe (Patella) sowie ihrer Bandstrukturen (Retinacula) können Schmerzen oder Instabilität verursachen. Darüber hinaus müssen seltenere Ursachen wie Rheuma, Gicht, Gefäßverschlüsse, ausstrahlende Schmerzen aus Hüfte oder Wirbelsäule, Knocheninfarkte, Baker-Zysten oder Tumoren berücksichtigt werden.

Therapeutische Möglichkeiten

Der menschliche Körper verfügt über ein bemerkenswertes Potenzial zur Selbstheilung. In den ersten Wochen nach einer Verletzung sollte diese Regeneration gezielt unterstützt werden. Dies geschieht – abhängig vom Verletzungsmuster – durch kühlende oder stabilisierende Bandagen, entzündungshemmende Medikamente sowie physiotherapeutische Maßnahmen mit gezielter Be- oder Entlastung. In bestimmten Fällen, beispielsweise bei frischen Kreuzbandverletzungen, kann eine Eigenbluttherapie unterstützend eingesetzt werden.

Führen konservative Maßnahmen nicht zum gewünschten Heilungserfolg und besteht eine dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität, kann eine operative Therapie notwendig werden. Viele Eingriffe erfolgen heute minimalinvasiv in Schlüssellochtechnik (Arthroskopie) und können ambulant durchgeführt werden. Vorteile dieser Methode sind geringe Narbenbildung, eine schnelle Rehabilitation sowie ein deutlich reduziertes Risiko für Krankenhauskeime.

Beispiele arthroskopischer Eingriffe

Meniskusglättung oder Meniskusresektion
Nach der Operation erfolgt eine Entlastung des Kniegelenks für etwa 2 bis 4 Tage an Gehstützen. Anschließend ist meist eine Vollbelastung möglich. Wandern und Radfahren können häufig nach zwei Wochen, Joggen nach vier bis sechs Wochen wieder aufgenommen werden.

Meniskusnaht
Nach einer Meniskusnaht wird das Knie für etwa vier Wochen entlastet und zusätzlich durch eine bewegliche Orthese stabilisiert. Sportliche Belastungen wie Wandern oder Radfahren sind meist nach acht Wochen, Joggen nach etwa zwölf Wochen möglich.

Knorpeltherapie
Je nach Art des Knorpelschadens erfolgt eine Entlastung zwischen einer und sechs Wochen. Radfahren und Wandern sind meist nach vier Wochen, Joggen nach etwa acht Wochen möglich.

Kreuzbandtherapie
Nach einer Kreuzbandoperation ist eine kurzfristige Entlastung für wenige Tage erforderlich. Danach kann das Knie meist voll belastet werden. Radfahren und Wandern sind häufig nach sechs Wochen, Joggen nach etwa zwölf Wochen möglich.

Patellastabilisierung (MPFL
Nach einer Stabilisierung der Kniescheibe wird das Knie wenige Tage entlastet. Anschließend ist in der Regel eine Vollbelastung möglich. Leichte sportliche Aktivitäten können nach vier Wochen, Joggen nach sechs bis acht Wochen erfolgen.

Chronische Knieschmerzen und Arthrose
Dauerhafte oder wiederkehrende Schmerzen des Kniegelenks entstehen häufig durch degenerative Veränderungen des Gelenkes. Eine Arthrose kann die Folge früherer Verletzungen sein, bei denen körpereigene Reparaturmechanismen versagen. Schäden am Knorpel oder an den Kreuzbändern heilen oft nur unzureichend aus. Zusätzliche Faktoren wie Übergewicht, Fehlstellungen der Beinachse (O-Beine oder X-Beine) oder starke körperliche Belastung beschleunigen den Gelenkverschleiß.

Eine frühzeitige Diagnostik ist daher entscheidend, um das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen. Neben der genauen Untersuchung der Gelenkstrukturen müssen auch Begleiterkrankungen sowie die individuellen Lebensumstände des Patienten berücksichtigt werden.

Gonarthrose – Gelenkverschleiß des Kniegelenks

Die Gonarthrose entwickelt sich schrittweise über verschiedene Stadien hinweg – von ersten Knorpelschäden über Rissbildungen bis hin zu Knochenabrieb und Gelenkversteifung. Häufig betroffen sind Patienten mit Fehlstellungen der Beinachse. Diagnostisch kommen spezielle Röntgenaufnahmen (z. B. Rosenberg-Aufnahme) sowie die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz.

Kniedarstellung

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Zu den nichtoperativen Therapien zählen:

  • Medikamentöse Schmerztherapie
  • Physiotherapie und Krankengymnastik
  • Physikalische Anwendungen
  • Injektionstherapien mit Hyaluronsäure
  • Eigenbluttherapie (ACP)

Die Auswahl der Behandlung erfolgt individuell und orientiert sich an den Beschwerden sowie den persönlichen Anforderungen des Patienten.

               

Anatomie des Kniegelenks

Das Kniegelenk besteht aus drei funktionellen Kompartimenten:

Vorderes Kompartiment (Articulatio femoropatellaris)
Hier bildet die Kniescheibe gemeinsam mit dem Oberschenkelknochen das sogenannte Gleitlager. Bei Belastung wirken in diesem Bereich enorme Druckkräfte. Beschwerden treten typischerweise beim Treppensteigen oder Bergabgehen auf.

Mediales Kompartiment (Innenseite)
Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu einer O-Bein-Stellung, wodurch die innere Gelenkfläche stärker belastet wird. Dies führt zu Schäden des Knorpels und des Innenmeniskus und kann eine mediale Gonarthrose verursachen.

Laterales Kompartiment (Außenseite)
Die Arthrose der äußeren Kniegelenksseite tritt seltener auf. Ursachen sind häufig Außenmeniskusschäden oder eine X-Bein-Fehlstellung.

Bandstrukturen des Kniegelenks
Das Kniegelenk wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus Muskeln, Sehnen und Bändern stabilisiert. Besonders wichtig sind hierbei die Kreuzbänder, Seitenbänder und die Menisken.

Innenbandverletzungen
Verletzungen mit Verdrehmechanismus nach innen (Valgus-Torsionstrauma) können das Innenband schädigen. Selbst vollständige Risse heilen häufig konservativ ohne Operation aus, verursachen jedoch oft über Monate hinweg Schmerzen.

Außenbandverletzungen
Verletzungen der äußeren Bandstrukturen heilen dagegen deutlich schlechter spontan aus und erfordern häufig eine operative Stabilisierung.

Vorderes Kreuzband
Das vordere Kreuzband stabilisiert das Knie sowohl gegen Vorwärtsbewegungen als auch gegen Rotationskräfte. Ein Riss führt häufig zu Instabilitätsgefühlen. Ob eine Operation notwendig ist, hängt vom Aktivitätsniveau und den individuellen Lebensumständen des Patienten ab.

Hinteres Kreuzband
Verletzungen des hinteren Kreuzbandes werden häufig unterschätzt. In vielen Fällen kann eine konservative Behandlung mit einer speziellen Knieorthese erfolgreich sein.

Menisken als sekundäre Stabilisatoren
Die Menisken dienen als stoßdämpfende Knorpelkeile zwischen Ober- und Unterschenkel. Sie verteilen Druckkräfte und stabilisieren das Kniegelenk. Durch hohe Belastungen kann es zu Verschleiß oder Einrissen kommen. Je nach Befund kann eine arthroskopische Naht, Glättung oder Teilentfernung der geschädigten Bereiche Beschwerden lindern.